2. Reisebericht – Von Berlin ins Wolgadelta

Auf nach Riga  

Noch nicht einmal einen ganzen Tag ist es her, dass sich unsere Abenteurer vom Düsseldorfer Messegelände auf den langen Weg nach Peking gemacht haben. Bereits am frühen Morgen trifft ein Teil der Gruppe in Berlin auf ein anderes Teamfahrzeug des Tour-Veranstalters „AbenteuerOsten“. Die Kollegen haben schon eine unglaubliche Reise hinter sich – sie kommen aus dem Oman. Und weil das noch nicht genug ist, fahren sie nun ebenfalls nach Peking! Und so stärkt sich die illustre Runde zu nächtlich-morgentlicher Stunde stilecht bei einer chinesischen Suppe im Restaurant „Friends“. Aber bloß keine Müdigkeit aufkommen lassen, denn am gleichen Tag geht es für die meisten über Polen weiter Richtung Riga. Andere wiederum werden sich per Fähre in die lettische Hauptstadt bringen lassen.

Die Fahrt über das quirlige Warschau verläuft bei den meisten ohne größere Zwischenfälle – wenn da nicht der flotte Traumtourer Andreas wäre. Der drückt auf einer polnischen Landstraße ein bisschen zu engagiert auf die Tube und wird prompt mit 105 statt den erlaubten 90 Sachen von der polnischen Polizei „gelasert“. Strafe muss sein. Der freundliche aber konsequente Polizist überreicht Andreas sein wohlverdientes Knöllchen – lässt es sich aber nicht nehmen, ein kleines Erinnerungsfoto vor dem Reisemobil mit der aufgeklebten Route machen zu lassen. Denn wann trifft man schon mal auf einen Raser, der nach China fährt?! Nach diesem aufregenden aber auch heiteren Intermezzo geht es in Windeseile – aber regelkonform – weiter nach Litauen. Die Traumtourer durchqueren hier malerische Dörfer, in denen die Zeit buchstäblich stehengeblieben zu sein scheint.



Erst ein Knöllchen vom polnischen Polizisten, dann ein Erinnerungsfoto.

Die Traumtourer sind in Riga erstmals komplett vereint.

Am 20. April trudeln die Fahrzeuge tröpfenchenweise den gesamten Tag über in Riga ein. Rund 1.870 km liegen bereits hinter einigen Fahrern – andere Reisemobile stoßen erst hier zur Gruppe. Und so gibt es in der lettischen Hauptstadt das erste Treffen aller Traumtourer, das natürlich feierlich im Bild festgehalten wird.  Ein Stadtbummel durch die mit 700.000 Einwohnern größte baltische Stadt ist natürlich auch ein Muss. Trotz der Größe versprüht Riga eher einen gemütlichen Charme. Schöne Jugendstilbauten und eine mittelalterliche Altstadt schmücken die alte Hansestadt am südlichen Ufer der Rigaer Bucht und Mündung der Daugava. Unsere Gruppe wird die „Perle des Baltikums“ sicher in guter Erinnerung behalten.

Wo ist Kostya angekommen?

Selbst so ein Wetter hat im warmen Reisemobil seinen Charme.

Liebesgrüße aus Moskau!

Und schon geht es weiter zur lettisch-russischen Grenze. Und die hat es heute in sich! Die beiden  Grenzbeamten-Teams kontrollieren und bearbeiten sehr bedächtig und mit grimmiger Miene die zahllosen Papiere der deutschen und schweizer Wohnmobile. Dabei ist die Gruppe schon um 7 morgens gestartet. Aber erst um 7 Uhr abends rollt der Track komplett von der EU auf russischen Boden. Fairerweise sei gesagt, dass man mit etwas Geduld im Gepäck auch an dieser Grenze gut zurechtkommt. Und das alles sei ja ohnehin noch gar nichts: Kostya erinnert sich, dass er in jungen Jahren als „die Bären noch scharenweise auf der Straße herumliefen“, oft tagelang gewartet habe, bis er einreisen konnte. Das lassen wir mal mit einer Menge Bilder im Kopf so stehen. 

Die Gruppe fährt weiter durch verwunschene russische Dörfchen, über Straßen im Nirgendwo und durch launisches und teilweise richtig ungemütliches Wetter. Während Graupel- und Schneeschauer niedergehen, sitzen die Reisemobilisten im warmen Mobil und genießen dennoch die Aussicht auf die raue Umgebung. Und nur ein paar Stunden später ist es wieder schön im flächengrößten Land der Welt. Für Conny und Gerd, die Traumtouren, die wir bereits beim Start vorgestellt haben, findet sich zum Beispiel 300 km vor Moskau in Solomkino ein malerischer Schlafplatz direkt am Wasser...

Am 23. April erreichen die ersten Reisemobilisten schließlich Moskau. Die Fahrzeuge kämpfen sich durch den dichten Verkehr rund um und in der russischen Metropole. Und diese zeigt der Gruppe während ihres Aufenthalts ihre unterschiedlichen und faszinierenden Gesichter: Kafkaesk wirkende riesige Wohnungsblöcke, die prunkvollste Metro der Welt, moderne Streetart, mächtige verglaste Wolkenkratzer, die weltberühmten Zwiebeltürme der Kathedrale, den Kreml und den roten Platz. Und zum feiern und genießen kommen die Abenteurer auch. Katrin hat Geburtstag! Es ist der erste Ehrentag, aber bis nach Peking sollen noch einige andere folgen. Auch die Messe Düsseldorf, die eine Dependance in Moskau hat, fährt groß auf und lädt unsere Traumtourer zu einem ausgiebigen BBQ in der russischen Hauptstadt ein.

Einfahrt in die russische Hauptstadt.

Moderne Skyline der Metropole.

Und dann kommt es noch ganz zufällig im Moskauer Sokolniki Park zu einer wunderbaren Begegnung: Die Traumtourer treffen auf eine Gruppe chinesischer Reisemobilisten, die den langen Weg aus Peking über die Mongolei und Sibirien gekommen sind, um sich Moskau anzuschauen und dann Richtung Nordkap weiterzufahren. Klar, dass sich die Reisenden sofort verbrüdern. Das ist wahre Völkerverständigung. Was für ein Abschluss beeindruckender Tage in der russischen Hauptstadt!

Himmlischer Beistand und kosakische Gastfreundschaft

Am 26. April nimmt die Gruppe Kurs Richtung Süden. Sie entfliehen den frischen Temperaturen und fahren ins Wolgadelta immer der Sonne entgegen. Auf der M4 wird nun Maut verlangt. Ca 3 Euro pro Reisemobil kostet der gebührenpflichtige Abschnitt. Auf der Straße nach Wolgograd warten aber auch jede Menge Geschenke in Form von authentischen Eindrücken. Zum Beispiel Tanken im russischen Verkehrsambiente. Der legendäre UAS-Allradbus und der Lada gehören immer noch zum Straßenbild. Außerdem erleben unsere Traumtourer hautnah wie im Vorfeld der WM 2018 noch hastig gebaut wird. Ob die neue Straße Moskau-Wolgograd wirklich fertig wird?

Im Vorfeld der WM 2018 wird noch hastig gebaut.

Schöne Begegnung: Die einen kommen aus Peking, die anderen fahren dorthin.

Und dann geschehen auf dem Weg ins einstige Stalingrad noch diese unvergesslichen menschlichen Begegnungen. Ein Priester bietet den Traumtourern in Bolschaja Lipoza einen ganz besonderen Stellplatz an. Er erlaubt ihnen im Innenhof seiner schönen Kirche die Nacht zu verbringen. Als Dankeschön verspricht ihm Kostya die Aufnahmen eines Drohnenfluges über das Gotteshaus. Und diese Bilder bekommen natürlich auch unsere Leser zu sehen – oder spätestens die Besucher im Traumtourenkino des CARAVAN SALONS 2017!

Schon einen Tag später treffen die Traumtourer im ursprünglichen Kosaken-Dorf Rogoshyn erneut auf geballte russische Gastfreundschaft. Der Ort hat eine lange Geschichte, die bis tief in die Zarenzeit hineinreicht.  Statt Reisemobile aus dem fernen Deutschland kamen damals an der nahen Eisenbahnstrecke die Züge der Zarin Katharina vorbei. Es wird erzählt, dass die ansässigen Kosaken an einem Anstieg die Gleise mit Fett einschmierten. Die Radreifen der Zarenzüge drehten durch bis der Zug zum stehen kam und die Kosaken ihn in aller Ruhe ausnehmen konnten. Heute geschieht das genaue Gegenteil. Die Einwohner besuchen in traditioneller Tracht den Stellplatz der Reisegruppe. Und sogleich wird alles aufgefahren, was die Gastgeber tragen können. Köstlicher Honig, selbstgebrannte Schnäpse und jede Menge leckere landestypische Speisen und Getränke – alles frisch und aus der eigenen Landwirtschaft des Dorfes. Und dann wird bis tief in die Dunkelheit gemeinsam gegessen, getrunken, gesungen und getanzt. Gut für einige feierlustige Teilnehmer, dass der Weg zum Schlafplatz nicht allzu weit ist...

In Kürze geht’s hier mit den Abenteuern unserer Traumtourer weiter!

Himmlischer Beistand: Ein Priester bietet seine Kirche als Stellplatz an.

Bis in die Dunkelheit wird gemeinsam gefeiert und getanzt.