3. Reisebericht - Von Südrussland nach Kasachstan

Von Südrussland nach Kasachstan 

War es nur ein Traum? Das (be-)rauschende Fest mit den Kosaken hat bei einigen Fahrern deutliche Spuren hinterlassen – und deswegen startet der Tross am nächsten Tag relativ spät, aber dafür einigermaßen ausgeruht und frisch. Schließlich stehen die letzten 500 Kilometer durch den Süden Russlands an! Es ist angenehm warm, ein wunderbarer Kontrast zu den ersten Tagen im flächengrößten Land der Erde. Bereits 150 km vor Wolgograd kommt es an diesem Tag zu einer Begegnung der „dritten Art“. Kostya trifft am Straßenrand zufällig auf den Marathonläufer Kai Markus, der von seinem Teamkollegen Viktor mit einem kultigen Käfer samt Kompakt-Caravan begleitet wird. Einige denken vielleicht, dass nach China fahren schon verrückt ist, aber Kai läuft den ganzen Weg zu Fuß nach Shanghai! Die Fügung wollte es anscheinend, dass zwei im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos denkende Menschen tausende Kilometer von der Heimat entfernt aufeinandertreffen.

Der Marathonläufer Kai Markus läuft zu Fuß nach China!

Eine zufällige Begegnung der besonderen Art mit Viktor und Kai.

Nach dieser wunderbaren Begebenheit geht es für die einen mit PS und die anderen per pedes weiter. Dass dies eine Reise voller unterschiedlichster Eindrücke ist, zeigt sich kurz darauf: Denn bereits an der nächsten Station weicht die Freude über das freundschaftliche Aufeinandertreffen großer Betroffenheit. Die Traumtourer besuchen nördlich von Wolgograd den Friedhof Rossoschka. Hier liegen Abertausende im 2. Weltkrieg ums Leben gekommene russische und deutsche Soldaten. Die Gruppe legt für alle Gefallenen Kränze nieder – auf das so etwas niemals mehr vorkommen möge. Beklommen setzen die Reisemobilisten danach ihre Fahrt fort. Ihr Weg führt sie vorbei an der größten Denkmalsfigur Russlands, die den Namen „Mutter Heimat“ trägt. Allein das Schwert misst imposante 29 Meter. Sie passieren zudem eine zerschossene alte Mühle, die als Mahnmal erhalten wurde. Aber genau davor steht ein ultimativer Ausdruck der Hoffnung, ein junges Paar mit der Botschaft: Liebe ist stärker als alles andere!

„Mutter Heimat“ - die größte Statue Russlands.

Zeichen alter Zerstörung und neuer Hoffnung.

Von diesem Bild ermutigt, fahren die Traumtourer in die Stadt ein, die früher Stalingrad hieß. Hier sind es vor allem die unglaublich herzlichen Menschen, die bleibenden Eindruck hinterlassen. Zudem gibt es auf der Straße einige Kuriositäten zu bestaunen, wie zum Beispiel gigantische Hummer-Stretchlimousinen, die gerne bei Hochzeiten eingesetzt werden. Oder für uns etwas merkwürdig anmutende Feuerwehr-Motorräder. Die Traumtourer verlassen schließlich durchaus nachdenklich – aber durch die Wärme der Menschen auch zutiefst optimistisch – das beeindruckende Wolgograd.

Auf dem Weg nach Astrakhan folgt die Gruppe der aufgewühlten Wolga. Es ist Frühling und allerorten erwacht das Leben. In der Stadt kann man auch architektonisch sehr deutlich den Übergang von Okzident zu Orient sehen. Nach einer ausgiebigen und geführten Besichtigung geht es auf Bröckel-Asphalt zur russisch-kasachischen Grenze. Und dann heißt es: Do Swidania Russland! Und schon kurz hinter der Grenze sollen unsere Abenteurer einige Überraschungen erleben...

Wodka und nasse Füße in Kasachstan

Die russisch-kasachische Grenze haben die Traumtourer vergleichsweise schnell „geknackt“. Es dauert noch nicht einmal drei Stunden bis sie ihre Reifen in das Nachbarland setzen. Der Tacho zeigt es an: Satte 4.400 Kilometer hat die Gruppe bereits von Düsseldorf bis hierhin zurückgelegt. Nun geht es für drei Tage durch das weite und wilde Kasachstan. Die Fahrbahn ist, laut Kostya, vielerorts löchrig wie ein Schweizer Käse und die Spurrinnen tief wie der Andreasgraben. Am Wegesrand grasen Pferde und Kamele auf einer Steppe, die fünf Mal so groß ist wie Frankreich.

Wenn´s brennt kommt dieser Feuerwehr-Biker angebraust.

Pferde und Kamele grasen in der unendlichen Steppe.

Die Traumtourer steuern einen malerischen Stellplatz am Strand des Kaspischen Meeres an: Es winkt die wohlverdiente Erholung in herrlicher Seeluft nach einem anstrengenden Tag.

Plötzlich kommt wie bestellt ein 60.6er G.A.S.-Laster sowjetischer Baureihe aus Richtung des Kaspischen Meeres herangebraust. Die Besatzung hat die Netze geleert und schenkt den Traumtourern großzügig ein Exemplar ihrer maritimen Beute: Einen kapitalen Karpfen! Da eine Teilnehmerin heute Geburtstag hat, kommt dieses Geschenk wie gerufen und sogleich werden daraus köstliche Fischfilets gezaubert. Ein passender Gaumenschmaus für die kleine Feier! Als die Nacht anbricht, legen sich die Traumtourer schließlich satt und zufrieden aufs Ohr. Der Wind rüttelt sanft an den Fahrzeugen und schaukelt die Reisemobilisten wohlig in den Schlaf – in einen sehr kurzen....

Ein kapitales Geburtstagsgeschenk von einheimischen Fischern.

Böses Erwachen auf dem ehemaligen Ufer-Stellplatz.

Denn um 5 Uhr morgens sind auf einmal alle hellwach! Wo gestern das Ufer noch weit entfernt war, ist auf einmal Landunter! Die Fahrzeuge stehen im Kaspischen Meer, das Wasser umspült die Reifen und viele können sich nicht aus eigenen Kräften aus ihrer misslichen Lage befreien. Aber keine Panik auf der Titanic! Fahrzeug für Fahrzeug schleppen die Allradwohnmobile ihre „Kollegen“ aus dem Wasser und schon nach einer Stunde sind alle wieder auf „trockenen Rädern“. Die Gruppe ist jedenfalls nach dem morgendlichen Abenteuer putzmunter, der Tag darf aber ruhig entspannter weitergehen. Und so ist es auch. Weiter geht es über tadellose Straßen durch die unendliche Kasachensteppe...

Am folgenden Tag gilt es schließlich 80 Kilometer Piste bis zur usbekischen Grenze zu bewältigen. Die Umgebung ist unwirklich und faszinierend zugleich. Staub und Salzpfannen säumen die Strecke. Der einstige Aralsee ist nur wenige hundert Kilometer entfernt. Seine riesigen trockenliegenden Flächen haben das Salz freigegeben und die Steppenwinde haben es tausende Kilometer nach Westen und Süden getragen. Außer Staub und Piste sieht die Gruppe an diesem Tag nur Kamele...

Und ausgerechnet an so einem Tag hat ein ganz besonderer Teilnehmer Geburtstag: Kostya wird heute 50 Lenze alt! Dieser runde Ehrentag wird nach der Grenzüberquerung ins wilde Usbekistan natürlich mächtig gefeiert!

Aber davon erzählen wir im nächsten Reisebericht...

Herrlicher Stellplatz am Kaspischen Meer.

Verkehrte Welt – von Conny festgehalten.