Caravaning als strategischer Standortfaktor im Deutschlandtourismus
Vom Nischenthema zum Treiber regionaler Entwicklung: Warum Caravaning im Deutschlandtourismus strategisch neu gedacht werden muss.
Kaum jemand hat die Entwicklung des Deutschlandtourismus so lange begleitet wie Dirk Dunkelberg, zuletzt stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV). Seit 1994 prägte er Themen wie Nachhaltigkeit, Qualitätsentwicklung und regionale Wertschöpfung. Auch nach seinem Ruhestand Ende 2025 berät er den DTV weiter, insbesondere dort, wo Caravaning strategisch an Bedeutung gewinnt.
Caravaning als dynamisches Segment im Deutschlandtourismus
Für Dunkelberg ist klar: Der Caravaningmarkt hat sich von einer vermeintlichen Nische zu einem der dynamischsten Segmente im Deutschlandtourismus entwickelt. Steigende Zulassungszahlen, neue Zielgruppen und ein gestiegenes Qualitätsbewusstsein haben dazu geführt, dass Camping vielerorts zu einem relevanten Impulsgeber geworden ist – besonders im ländlichen Raum.
„Caravaning ist längst kein Randthema mehr und kann ein zentraler Treiber der Destinationsentwicklung sein“, betont Dunkelberg.
Vom Wachstum zur Qualitätsfrage
Gleichzeitig sieht Dunkelberg erheblichen Nachholbedarf. Stellplatzentwicklung sei „weit mehr als das Freigeben einer Parkfläche“. Moderne Reisemobilisten erwarteten Qualität, Komfort und eine professionell betriebene Infrastruktur. In vielen Regionen sei die Nachfrage schneller gewachsen als das Angebot.
Damit werde Caravaning zunehmend zu einer Managementaufgabe für Destinationen – nicht nur zu einer Frage des Flächenangebots.
Aus seiner langjährigen Nachhaltigkeitsarbeit leitet Dunkelberg eine weitere Perspektive ab: Caravaning müsse stärker in regionale Nachhaltigkeitsstrategien eingebettet werden. Naturverträgliche Konzepte, intelligente Besucherlenkung und die Einbindung bestehender Strukturen seien entscheidend.
Die ausgeprägte Naturverbundenheit vieler Caravaning-Gäste könne dabei ein Vorteil sein – vorausgesetzt, Angebote würden bewusst gesteuert und qualitativ entwickelt.
Digitalisierung und Kooperation als Zukunftstreiber
Für die kommenden Jahre identifiziert Dunkelberg zwei zentrale Treiber: Digitalisierung und Kooperation. Angebote müssten digital sichtbar und buchbar sein, während Destinationen stärker auf vernetzte Vertriebskanäle setzen sollten.
Nur durch gemeinsame Lösungen zwischen Kommunen, Destinationen und Branche entstehe ein zeitgemäßes, nutzerfreundliches Angebot, das den Erwartungen mobiler Gäste gerecht wird.
Caravaning strategisch denken: Appell an die Destinationen
Sein zentraler Rat an Destinationen lautet daher: „Caravaning als relevantes Segment einstufen und aktiv Kooperationen mit der Branche eingehen.“
Dunkelbergs Fazit ist eindeutig: Caravaning bleibt ein strategisches Zukunftsthema für den Deutschlandtourismus. Regionen, die diesen Bereich frühzeitig fundiert und nachhaltig entwickeln, schaffen stabile Wertschöpfung gerade dort, wo andere touristische Segmente an ihre Grenzen stoßen.