Learning by travelling: Was Destinationen aus Nordamerika lernen können
Was internationale Gäste heute suchen, zeigt sich am nordamerikanischen Markt besonders früh. Dort verändern sich Entscheidungsprozesse rasant – im Zusammenspiel von Digitalisierung, persönlicher Beratung und mobilen Reiseformen wie Caravaning.
Reiseveranstalter Timo Kohlenberg, Geschäftsführer von America Unlimited, begleitet diese Entwicklungen seit Jahren. Beim Netzwerkabend „Travel Industry meets Caravanning“ auf dem CARAVAN SALON, veranstaltet in Kooperation mit dem Travel-Industry Club, erläuterte er, welche Learnings Destinationen daraus ziehen können und warum Profil, Struktur und Emotion heute über Aufmerksamkeit entscheiden.
„Unsere Kunden erwarten vor allem eines: echte Expertise“, sagt Kohlenberg. Die Fülle an Online-Angeboten überfordere viele Reisende zunehmend. Gerade deshalb gewinne persönliche Beratung wieder an Bedeutung. Menschen wollten weniger suchen und stärker geführt werden.
Veränderte Erwartungen internationaler Gäste
Auch die Customer Journey verändert sich rasant. Inspiration entsteht über Social Media, Entscheidungen werden mobil getroffen, KI liefert Vorschläge in Sekunden. Trotz aller Digitalisierung bleibt der Wunsch nach Verlässlichkeit bestehen. Destinationen müssen digitale Services ausbauen und gleichzeitig klare Geschichten erzählen, die Orientierung geben und Vertrauen schaffen. Technologie ersetzt Beratung nicht, sie verändert ihre Rolle.
Caravaning als Brücke zwischen Fernreise und regionalem Erlebnis
Besonders spannend ist die Schnittstelle zwischen Fernreisen und Caravaning. Viele Reisende testen in Nordamerika erstmals das Wohnmobil und suchen später ähnliche Erlebnisse in Europa. Umgekehrt möchten Caravaning-Fans ihr vertrautes Reisegefühl auch auf Fernreisen nicht missen. Für Destinationen entsteht daraus eine qualitätsbewusste Zielgruppe mit klaren Erwartungen an Service, Erlebnisqualität und Orientierung.
Was im internationalen Tourismus besonders gut funktioniert
Kohlenberg sieht drei Faktoren, die im internationalen Wettbewerb erfolgreich sind:
Emotionales Storytelling Erfolgreiche Kampagnen setzen auf Gefühle statt auf reine Fakten. Beispiele wie „Spain is part of you“ zeigen: Identität und Emotion schaffen Aufmerksamkeit und bleiben im Gedächtnis.
Authentische Community-Inhalte Glaubwürdigkeit entsteht durch Menschen, nicht durch Marketing. Einheimische, Micro-Influencer und echte Gästeerlebnisse vermitteln Nähe und Vertrauen.
Kuratierte Erlebnisangebote Thematische Strukturen wie Kulinarikrouten, Architekturpfade oder Naturerlebniswege bieten Orientierung. Sie verwandeln Vielfalt in Profil – und Profil in einen Reiseanlass.
Profil statt Beliebigkeit: Learnings für Destinationen
Kohlenbergs Fazit ist klar: „Aus Beliebigkeit wird erst durch Emotion und Struktur ein echter Reiseanlass.“ Destinationen, die emotional erzählen, digital auffindbar bleiben und Erlebnisse klar strukturieren, gewinnen die Aufmerksamkeit jener Gäste, die nicht nur reisen, sondern bewusst erleben wollen.